Hospiz- und Palliativangebote
Das Wort Hospiz leitet sich aus dem lateinischen Wort „hospes“, der Gast, bzw. „hospitium“, die Herberge ab. Die moderne Hospizbewegung knüpft daran an und begleitet Menschen auf ihrem letzten Weg. Sie ist dabei geleitet von einer Grundhaltung den betroffenen Menschen gegenüber, sie mit ihren Bedürfnissen, Ängsten und Sorgen zu verstehen. Sie zeichnet sich durch Alltagshandeln aus und schließt die Begleitung der trauernden Angehörigen mit ein.
Palliative Care wurde 2002 von der WHO definiert als Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien, die mit Problemen konfrontiert sind, welche mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen. Dies geschieht durch Vorbeugen und Lindern von Leiden durch frühzeitige Erkennung, sorgfältige Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen Problemen auf körperlicher, psychosozialer und spiritueller Ebene.
Quelle: Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung: „Hospizarbeit und palliative Versorgung in Hessen“, 3. Auflage, Frankfurt am Main 2018
Allgemeine ambulante Palliativversorgung – AAPV
Allgemeine ambulante Palliativversorgung ist eine Basisversorgung und wird von niedergelassenen Haus- und Fachärzten erbracht. Ergänzt wird die AAPV von ambulanten Pflegediensten und ambulanten Hospizdiensten.
Spezialisierte ambulante Palliativversorgung – SAPV
Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung ist ein Angebot an schwerkranke und sterbende Menschen, wo eine besonders aufwendige Versorgungssituation vorliegt. Hier erfolgt ein Perspektivwechsel, im Vordergrund steht die palliative Zielsetzung der Symptom- und Leidenslinderung, kurative - heilende - Ansätze treten in den Hintergrund. Multiprofessionelle Teams aus Ärztinnen und Ärzten, Pflegefachkräften und ergänzenden Professionen, alle mit spezialisierten Qualifikationen und Kenntnissen zur Palliativversorgung, stehen an 7 Tagen der Woche mit einer 24-Stunden-Erreichbarkeit zur Verfügung. Die Teams versorgen Patienten zuhause, in stationären Pflegeeinrichtungen und in Hospizen. Das Angebot umfasst die Koordination von weiteren ambulanten Hospiz- und Palliativangeboten, Beratung und Krisenintervention. Ziel ist es, eine Verbesserung der Lebensqualität zu erreichen, ein Zuhause sein trotz schwerer Erkrankung zu ermöglichen und unnötige Krankenhauseinweisungen zu vermeiden. Seit 2007 besteht ein gesetzlicher Anspruch für Regelversicherte, Privatversicherte sollten die Übernahme der Kosten mit ihrer Krankenkasse vorab klären. Die Versorgung durch ein SAPV-Team muss ärztlich verordnet werden - Formular 63 - siehe Downloads/Ausfüllhilfe.
Ambulante Hospizbegleitung
Ambulante Hospizvereine bieten ehrenamtliche Versorgungsangebote für schwerkranke und sterbende Menschen und ihre An- und Zugehörigen an. Qualifizierte Ehrenamtliche unterstützen die Betroffenen durch psychosoziale Begleitung und entlasten An- und Zugehörige durch individuelle Hilfsangebote – sie schenken Zeit, hören zu, sind da. Hospizdienste begleiten die Familien auch über den Tod des Angehörigen hinaus und bieten verschieden Formen der Trauerbegleitung, wie Trauercafés und Trauergruppen an.
Pflegeeinrichtungen
Pflegeeinrichtungen sind Orte, an denen viele Menschen in unserer Gesellschaft ihren letzten Lebensabschnitt verbringen, ihr letztes Zuhause finden und dort sterben. Die Bewohnerinnen und Bewohner benötigen häufig nicht nur in der Sterbephase, sondern über einen längeren Zeitraum eine hospizlich-palliative Betreuung. Alle Angebote der ambulanten Hospiz- und Palliativversorgung, der AAPV, der SAPV und ehrenamtliche Hospizbegleitung können auch in stationären Pflegeeinrichtungen in Anspruch genommen werden. Manche Einrichtungen beauftragen eine Palliative-Care-Fachkraft für die Belange der Abschiedskultur in ihrer Einrichtung.
Hospize
Stationäre Hospize sind Orte, die Menschen mit unheilbaren Erkrankungen in der letzten Lebensphase aufnehmen und begleiten. Sie sind da für Menschen, deren Erkrankung eine begrenzte Lebenserwartung von Tagen, Wochen oder wenigen Monaten zur Folge hat und bei denen eine Versorgung zuhause nicht mehr möglich ist. Hospize sind kleine stationäre Einrichtungen mit maximal 16 Plätzen. Hier unterstützen multiprofessionelle Teams aus haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schwerkranke und sterbende Menschen ganzheitlich mit palliativpflegerischen, palliativmedizinischen, psychosozialen und spirituellen Angeboten. Auch An- und Zugehörige erfahren Begleitung mit besonderer Achtsamkeit und Gastfreundschaft. Für Hospizpflege wird eine ärztliche Bescheinigung durch einen behandelnden Arzt benötigt und eine Kostenzusage durch die Krankenkasse auf Antragstellung. Die entsprechenden Formulare finden Sie im Downloadbereich von Hospizwebseiten. Die Finanzierung von stationären Hospizen erfolgt zu 95 % über die Krankenkassen, die restlichen 5 % müssen über Spenden gedeckt werden. Die Finanzierungsanforderungen sind gesetzlich in § 39a Satz 1 SGB V festgelegt.
Palliativstationen
Palliativstationen sind ein stationäres spezialisiertes Versorgungsangebot in Krankenhäusern und Kliniken. Sie können kritische Situationen durch eine vorübergehende Aufnahme auf einer Palliativstation überbrücken. Ziel der stationären Behandlung ist es Beschwerden so zu lindern und die Betroffenen und ihre An- und Zugehörigen psychologisch, sozial und spirituell so zu unterstützen, dass eine Entlassung nach Hause oder eine Verlegung in eine stationäre Einrichtung oder ein Hospiz möglich ist.
Psychologische Begleitung
Psychologische Begleitung ist eine Möglichkeit der Unterstützung bei existentiellen Ängsten und Bedürfnissen. Belastungsempfinden und Unterstützungsbedürfnis können bei Patientinnen und Patienten und Angehörigen sehr unterschiedlich und gegensätzlich sein. Wird eine Situation oder Gegebenheit als Belastung empfunden, sollte Unterstützung angeboten werden. In einem psycho(onko)logischen Gespräch erfahren Betroffene ein Bestätigung ihrer Situation und es wird geklärt, welche Maßnahmen für sie oder ihn hilfreich sind.
Kinderpalliativteams
Kinderpalliativteams versorgen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit lebenslimitierenden Erkrankungen in der Häuslichkeit. Hierzu zählen Patientinnen und Patienten mit angeborenen Fehlbildungen, Stoffwechselerkrankungen, Erkrankungen des Nervensystems, der Lunge, des Darms, des Herzens und mit Krebserkrankungen, aber auch nach Unfällen oder z. B. schwerem Sauerstoffmangel bei der Geburt. Ziel ist es, die verbleibende Zeit für das unheilbar erkrankte Kind, aber auch für Geschwister, Eltern und Angehörige, so lebenswert wie möglich zu gestalten. Spezialisierte Ärztinnen, Ärzte, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegende und psychosoziale Fachkräfte ermöglichen eine zuverlässige medizinische und pflegerische Versorgung sowie psychosoziale Unterstützung in der vertrauten Umgebung. Um ungewollte Krankenhausaufenthalte zu vermeiden, erfolgen regelmäßige Hausbesuche sowie eine 24-Stunden-Ruf- und Einsatzbereitschaft.
Das Leistungsangebot umfasst:
- Beratungen
- Unterstützung bei der Entlassung aus dem Krankenhaus
- Koordination von Hilfen
- Optimierung der Symptomkontrolle, z. B. bei Atemnot, Krampfanfällen, Spastik, Unruhe usw.
- Schmerzbehandlung
- 24-Stunden-Ruf- und Einsatzbereitschaft
- Vermeidung von Krankenhausaufenthalten
- Begleitung von der Diagnose an
- Vorgeburtliche Beratungen
Kinderpalliativteams arbeiten dabei eng mit niedergelassenen Ärzten, Spezialambulanzen und Kliniken sowie Pflegediensten, ambulanten Kinderhospizdiensten, Kinderhospizen, Kindergärten und Schulen, psychosozialen Versorgungsstrukturen, Netzwerkpartnern usw. zusammen.
Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienste
Kinderhospizdienste begleiten Kinder und junge Menschen mit lebensverkürzender Erkrankung und ihre Familien auf ihrem Lebensweg; ab der Diagnose, im Leben,
im Sterben und über den Tod der Kinder hinaus. Qualifizierte Ehrenamtliche begleiten die Kinder und Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit lebensverkürzender Erkrankung und ihre An- und Zugehörigen im häuslichen Umfeld. Sie verbringen je nach Wunsch der Familien Zeit mit den erkrankten Kindern sowie mit den Geschwistern, stehen ihnen und den Eltern als Gesprächspartner, auch für die Trauerbegleitung, zur Verfügung. Das Angebot der Beratung und Begleitung ist kostenfrei.
Stationäre Kinder- und Jugendhospize
Stationäre Kinder- und Jugendhospize sind speziell auf die Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit lebensverkürzender Erkrankungen ausgerichtet. Sie unterscheiden sich maßgeblich von stationären Hospizen für Erwachsene, da sie nicht nur auf die Sterbephase der Kinder begrenzt sind, sondern Aufenthalte ab der Diagnose möglich sind. Das heißt, dass stationäre Einrichtungen Kinder, Jugendliche und ihre Angehörigen neben der Sterbephase auch zeitlich begrenzt oder in Notfallsituationen unterstützen. Der Aufenthalt gilt neben der Möglichkeit der Auseinandersetzung mit Krankheit, Sterben und Tod auch der Entlastung der Betreuungspersonen, die mit dem Kind aufgenommen werden können.
Letzte-Hilfe-Kurse
Das Sterben eines Freundes, der Mutter oder Nachbarin lässt viele Menschen hilflos zurück, da die Sterbebegleitung im Laufe der Zeit aus den Familien hinaus in ein professionelles Umfeld gerückt ist. Eine bedürfnisorientierte Sterbebegleitung ist jedoch keine Wissenschaft, sondern auch in Nachbarschaft und Familie möglich. Damit An- und Zugehörige am Ende wissen, wie es geht, gibt es „Letzte-Hilfe-Kurse“. Neben Themen wie dem Abschiednehmen und dem Sterbeprozess geht es in den Seminaren auch um Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten. Letze-Hilfe-Kurse werden von ambulanten Hospizdiensten angeboten. Aktuelle Termine können Sie auf der Startseite oder den Webseiten der Hospizdienste nachlesen.
Trauerbegleitung
Trauerbegleitung ist ein Unterstützungsangebot an trauernde Personen. Sie kann helfen, den eigenen Umgang mit Trauer und mit dem Verlust zu finden. Ehrenamtliche Trauerbegleiterinnen und Begleiter schaffen einen geschützten Raum, in dem Trauernde ihre Gefühle und Sorgen zum Ausdruck bringen können. Bei vielen ambulanten Hospizdiensten gehört Trauerbegleitung zum Angebot.
Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie
Therapeutische Angebote sind ein wichtiger Bestandteil des multiprofessionellen Behandlungsansatzes von Palliative Care. Sie tragen wesentlich zur Verbesserung der Lebensqualität bei, durch Maßnahmen zur Erhaltung der Selbstständigkeit, zur Kontrolle und Linderung von belastenden Symptomen und ermöglichen Teilhabe bis zum Lebensende. Durch ihre Nähe zum Menschen werden Therapeutinnen und Therapeuten zu wichtigen Bezugspersonen in existentiellen Lebensphasen.